2022
Es wurde eine Werkstatthalle angemietet, um auch räumlich die Möglichkeit für eine Ausbildung zu schaffen.
Im März 2022 waren wir wieder vor Ort.
Mit unserer finanziellen Unterstützung konnte zunächst ein Starkstromanschluss für das Mietgrundstück gelegt werden. Wir haben im März die gesamte Unterverteilung in der Halle (Licht- und Starkstrom, Beleuchtung) und den zwischenzeitlich weiter hergerichteten Außenbereich installiert. Außerdem konnte mit unserer Hilfe ein doppelflügeliges Tor in die Halle eingebaut werden. Nun besteht die notwendige Möglichkeit, Fahrzeuge in die Halle zu fahren. In unserem Gepäck befanden sich für die Auszubildenden auch Arbeits-/Sicherheitsschuhe und Arbeitskleidung. Die Auszubildenden haben uns bei den geschilderten Aktivitäten schon tatkräftig unterstützt.
Weiter haben wir hier aus Deutschland im Frühjahr 2022 und bei unserer zweiten Reise im August des Jahres kleine Maschinen und Werkzeuge mitgebracht. Eine fundierte praktische Ausbildung konnte somit begonnen werden.
Zusätzlich konnten wir die Jugendlichen mit einer täglichen warmen Mahlzeit unterstützen. Mit unserer finanziellen Hilfe wird nun auf dem Werkstattgelände gekocht. Eine Köchin wurde von Daniel und Charles fest angestellt. Sie kocht für alle, so dass die Jugendlichen zumindest einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen.
Es ist unabdingbar, dass die Ausbildung einen wesentlichen Anteil an Fürsorge für die jungen Menschen durch die Ausbilder beinhaltet. In Afrika ist es üblich, selbstverständlich und notwendig, dass während des Ausbildungstages auch die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Die Jugendlichen hätten sonst keine Möglichkeiten sich zu versorgen. Sie erfahren einen geregelten Lebensrhythmus, der sie motiviert. Da die monitären Einnahmen durch den Werkstattbetrieb noch sehr unregelmäßig sind, sichern wir durch finanzielle Unterstützung die Beschaffung der Nahrungsmittel ab.
Die obdachlosen Auszubildenden haben teilweise in den Fahrzeugen übernachtet, die auf dem Grundstück abgestellt waren. Auch hier wollen wir in Zukunft Abhilfe schaffen.
Auf dieser Basis fand dann die erste einjährige Ausbildung, vom 1. April 2021 – 31. März 2022 statt. Sieben der acht Jugendlichen haben sie mit einer Prüfung vor einer staatlichen Stelle abgeschlossen. Alle sieben haben jetzt einen festen Arbeitsplatz gefunden.
2023
Im Frühjahr 2023 waren wieder Vereinsmitglieder in Gulu und haben die neuen Auszubildenden begrüßt.
Für den Ausbildungszeitraum vom Januar bis Dezember 2023 konnten leider nur vier Jugendliche angenommen werden. Dazu kommt ein Jugendlicher der sein Ausbildungsjahr wiederholt, weil er krankheitsbedingt, die staatliche Prüfung 2022 nicht ablegen konnte.
Eine große Wandtafel wurde auf Wunsch in der Werkstatthalle montiert und konnte gleich eingeweiht werden.
2024
Im Jahr 2024 reisten wir im April und November in kleinem Team nach Uganda. Unsere Koffer waren wieder mit einer Vielzahl von benötigter Arbeitskleidung, Werkzeug und einiger dringend benötigter Ersatzteile bis zum Bersten gefüllt.
Im November konnten wir bereits die neuen sechs Auszubildenden für das Ausbildungsjahr 2025 begrüßen und ihnen ihre Arbeitskleidung und Ausbildungsmaterial u.a. Lehrbücher übergeben.
Wir konnten durch Spenden noch die Lebensmittelversorgung für ein paar Monate sichern.
Die Unterstützungsleistungen des Jahres 2022 haben aber unsere privaten finanziellen Reserven völlig aufgebraucht, sodass wir uns entschlossen haben, den Verein "Moyo Afrika –Werkstatt fürs Leben e.V." zu gründen. Über Mitgliedsbeiträge und Spenden können wir somit zuverlässig die Unterstützung der Auszubildenden in der Werkstatt in Gulu/Uganda fortsetzen.


Vor Ort wurden wir wiederholt mit einer noch zu lösenden Herausforderung konfrontiert: Die Unterbringung der obdachlosen Auszubildenden während ihrer Ausbildungszeit.
Zur Zeit leben einige Auszubildende in der Werkstatt und schlafen dort auf einem Matratzenlager. Sogar die Karosserie eines ausgeschlachteten Fahrzeugs wird als überdachter Schlafplatz eingerichtet. Zusätzlich gibt es noch zwei sehr enge Schlafplätze in einem kleinen Schuppen, die aber nur in der Trockenzeit genutzt werden können.
Die örtlichen Gegebenheiten und der erhebliche Mangel an Wohnraum bzw. zum Wohnen nutzbarer Flächen in Gulu machen es leider nicht möglich, in der näheren Umgebung etwas für die Unterbringung der Jugendlichen zu finden.
Auch nach langer intensivster Suche, die vor einiger Zeit mit bestehenden Kontakten vor Ort begann, mussten wir leider feststellen, dass kurzfristig keine realistische Möglichkeit besteht, diesen Mangel abzustellen. Auch die Suche in Vororten von Gulu brachte aufgrund der sich immer mehr zuspitzenden Wohn- und Flächenknappheit in der Stadt zunächst keinen Erfolg. Zwar wurden uns ein paar wenige Grundstücke angeboten, die wir natürlich auch in Augenschein nahmen, nur leider war letztendlich keines dabei, das die Mindestanforderungen: Lage, Preis, Erschließungsmöglichkeiten, Erreichbarkeit (zur Not mit dem Fahrrad u.v.m.) entsprach. Erst kurz vor unserer Abreise fanden wir ein passables Grundstück. Wir konnten dann mit Unterstützung unserer Leute vor Ort eine Möglichkeit schaffen, dieses angebotene Grundstück für unser Ausbildungsprojekt zu sichern.
Nun streben wir in naher Zukunft eine Nutzung dieses Grundstücks für unsere Zwecke an. Wir beabsichtigen, das Grundstück langfristig zu pachten, um darauf eine Unterkunft zu bauen. Somit wäre zukünftig das Unterbringungsproblem der Auszubildenden gelöst.
Auch besuchten wir unseren guten Freund Issa, der seine kleine Werkstatt weit weg von der Stadt mitten im Busch betreibt. Neben Wartung und Reparatur liegt sein Schwerpunkt auf der Konstruktion und dem Zusammenbau von kleinen bis mittelgroßen Maschinen einfachster Bauart. Die tägliche landwirtschaftliche Arbeit wird dadurch den Anwohnern erheblich erleichtert. Wie wir sehen konnten, ist er darin ausgesprochen kreativ und verbindet Wissen mit handwerklichem Geschick zu funktionsfähigen Lösungen. Die in der Vergangenheit von uns mitgebrachte Vielzahl von Werkzeugen (u.a. Schweißgerät, Bohrmaschine und umfangreiche Gewindeschneidsätze) machen es ihn nun möglich, diese Leistungen anzubieten. Wir konnten freudig feststellen, dass das Werkzeug intensiv genutzt wird. Zudem bemüht er sich, seine Kenntnisse und Fähigkeiten an Auszubildende weiterzugeben und ist damit ein Beitrittskandidat in unserem Ausbildungsprogramm.
2025
Erste Fahrt im Frühjahr
Im März, pünktlich zum Frühlingsanfang, machten sich wieder drei Vereinsmitglieder auf die Reise nach Uganda. Aufgrund von Gepäckbeschränkungen, bei in der EU ansässigen Fluggesellschaften, die uns die Mitnahme von bestimmten Werkzeugen nicht erlaubten, musste diesmal mit Turkish Airlines eine andere Reiseroute gewählt werden. Zum Glück kam das Gepäck, wie auch die drei Reisenden, vollständig und unbeschädigt an.
Die Auszubildenden, die Ende 2024 ihre Abschlussprüfung ablegten, haben bisher noch keine Zeugnisse erhalten, was auf erhebliche organisatorische Schwierigkeiten des staatlichen Prüfungsamtes zurückzuführen ist. Dennoch konnten alle bereits ihren beruflichen Einstieg als Automechaniker beginnen.
Die neuen Auszubildenden des Jahrgangs 2025, die wir auf unserer letzten Reise kennen lernen konnten, sind nun vollständig in der Ausbildung integriert. Es macht ihnen sichtbar Freude, die Herausforderungen sowohl theoretisch als auch praktisch zu meistern. In persönlichen Gesprächen erhielten wir wertvolle Einblicke in ihren Alltag, die es uns ermöglichen, am täglichen Ausbildungsgeschehen teilzuhaben.
So erfuhren wir, dass ein routinemäßiger Ablaufplan eingeführt wurde. Dieser besteht aus morgendlichem Briefing, Aufgabenverteilung, festen Zeiten für theoretische Unterweisungen und Mittagessen. Die Ausbilder Charles und Patrick sind dabei sehr engagiert.
Die Azubis zeigen bei allem Eigeninitiative und setzen sich aktiv für eine gute Kommunikation ein. Sie bestimmten einen Sprecher aus ihrer Gruppe. Das ist großartig!
Wir denken darüber nach, künftig einen festen Ansprechpartner für die Auszubildenden einzurichten, da er den Azubis außerhalb des laufenden Ausbildungsbetriebs viel Unterstützung bieten könnte; insbesondere bei Fragen, die über die eigentliche Ausbildung hinausgehen. Dadurch würde sich ihre Ausbildungs- und Lebenssituation deutlich verbessern.
Zur Vorbereitung unseres Bauprojektes für die Unterbringung obdachloser Auszubildender starteten wir den Bau der Latrinen, den wir während unseres Aufenthalts erfolgreich beenden konnten. Denn auch in Uganda dürfen wir ohne „Dixie-Klo“ keine Bauarbeiten starten.
Zum Abschluss der Arbeiten brachten wir aus hygienischen Gründen eine Epoxidharzbeschichtung auf den Boden auf und teilweise auch an der Wand an, um die die spätere Reinhaltung deutlich zu erleichtern.
Mit dem Bauingenieur Kilama, den wir aus früherer Zusammenarbeit kennen, klärten wir bereits die ersten Schritte für den zukünftigen Bau eines Lagergebäudes auf dem gepachteten Grundstück. Denn ohne Lagergebäude hätten wir keine Chance, den Diebstahl der Baumaterialien für das Betreuerhaus und auch für das Traineehaus zu unterbinden.
Dank der Unterstützung unseres Mitgliedes Rudi, seines Zeichens Architekt, konnten wir die Pläne für die Lagerhalle vorlegen. (Nochmals danke, Rudi!). Zudem legten wir den genauen Standort des Lagergebäudes durch Einmessen und Fixieren der Eckpunkte im Gelände fest, sodass mit dem ersten Bauabschnitt (Fundament) begonnen werden kann, wenn die Finanzierung steht.
Für gegenwärtige und zukünftige Maßnahmen und zur Klärung von komplizierten juristischen Fragen fand auch ein Beratungsgespräch mit einem dort ansässigen Anwalt statt.
Im Zusammenhang mit der Suche nach logistischer Unterstützung und Fördermitteln erhielten bzw. erhalten wir von allen Seiten immer viel Zuspruch für unser Vorhaben.
Unsere Bemühungen, über das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit - und den von diesem eingeschalteten Gesellschaften und Stiftungen – Fördermittel in Deutschland oder durch die deutsche Botschaft in Kampala zu erhalten, führten indes nicht zum Erfolg. Denn die Unterstützung der Baumaßnahmen für die Unterbringung von obdachlosen Jugendlichen während ihrer Ausbildung kann wegen Reglementierungen in den Förderprogrammen, die wir nicht erfüllen (können), nicht erfolgen.
Insoweit zeigt sich immer wieder eine eklatante Diskrepanz zwischen dem durch irgendwelche Förderprogramme öffentlich verbreiteten Wohlmeinungsempfinden und der Realität. Deshalb sind jetzt Spenden mehr denn je erforderlich, um vorwärts zu kommen.
Nach der Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stehen uns jetzt aber Mitarbeiter der GIZ in Kampala und Gulu beratend zur Seite. Denn auch wir müssen uns im Hinblick auf unsere Pläne in Uganda als gemeinnützig registrieren lassen…
Derzeit bereiten wir die nächste Reise vor, die im November 2025 stattfinden soll. Einige Koffer sind schon jetzt gepackt.
Zweite Fahrt im November/Dezember
Dieses Mal waren bei uns vieren (Christian, Matthias, Markus und Ulla) nicht nur unsere Koffer prall gefüllt, sondern auch unsere Terminkalender.
Um alle geplanten Aufgaben erledigen zu können, war es diesmal zwingend notwendig, mindestens drei Wochen für die Reise nach Uganda einzuplanen. Leider war es zweien von uns aus Mangel an Urlaubstagen nicht möglich, die volle Zeit zu bleiben. Sie mussten bereits nach zwei Wochen abreisen.
Zur Reduzierung der Reisekosten waren wir gezwungen, eine andere Unterkunft für die Zeit zu suchen. In unserem angestammten Hotel, in dem wir uns über 10 Jahre sehr wohlgefühlt hatten und gut versorgt wurden, sind die Kosten im Laufe der Zeit leider kontinuierlich auf ein Niveau gestiegen, das uns nicht mehr möglich machte, dort unterzukommen. Wir sahen uns daher nach einer Alternative um und beschlossen ein Appartement zu mieten. Dort versorgten wir uns selbst. Auch zukünftig möchten wir diese Möglichkeit in Betracht ziehen.
Leider dauerte die Anreise mit dem Bus von Kampala nach Gulu wieder deutlich länger, da ein Straßenabschnitt nicht passierbar war und wir einen Umweg fahren mussten. So betrug die Reisezeit nicht die gewohnten sieben, sondern neun Stunden. Nach der Ankunft am Abend ging es dann aber am nächsten Tag mit dem vollen Programm los.
Wir besuchten die Baustelle für den ersten Bauabschnitt unseres Lagerschuppens, um nach Überprüfung der neu vermessenen Eckpunkte und Klärung weiterer Details, wie abgesprochen, die weitere Baufreigabe unserem Bauingenieur (Mr. Kilama) zu geben. Mit Freude sahen wir, dass alle Baumaterialien bereitlagen und die Fundamentgräben auch schon ausgehoben waren.
Registrierung
Wir entschlossen uns, noch die Registrierung unseres Vereins auf den Verwaltungsweg zu bringen und fuhren dann am gleichen Tag noch zum CDO (Council district officer).
Dazu benötigten wir aber zwingend noch die schriftliche Stellungnahme des zuständigen LC1 (Landcouncelor Stufe1), in der er unsere lauteren Absichten bestätigt und aus seiner Sicht der Verwirklichung unseres satzungsmäßigen Vereinsziels nichts entgegensteht. Nach einem kurzen Telefonat stand er 30 Minuten später mit dem begehrten Schriftstück vor uns.
Wir entrichteten die erwartete, inoffizielle und selbstverständlich quittungslose Aufwandentschädigungsgebühr, und konnten anschließend mit diesem Dokument zur nächsthöheren Verwaltungsstelle (CDO) fahren.
Christian hatte sich schon Wochen vor der Abreise intensiv mit der geltenden Gesetzeslage und den vorgeschriebenen Verwaltungsschritten beschäftigt. Diese waren auch von offizieller Seite detailliert schriftlich festgehalten und nachlesbar. Sicherheitshalber hatten wir sämtliche Dokumente in Kopie dabei. Alle erforderlichen Formulare hatten wir bereits vollständig ausgefüllt. Wir glaubten daher, gut vorbereitet zu sein. Die Registrierung schien uns nur noch eine Formsache zu sein – dachten wir.
In andächtiger Manier betraten wir das Büro. Wir kamen zügig an die Reihe. Als wir vor dem Schreibtisch standen, räumte die Dame noch einige Unterlagen beiseite. Dabei schob sie auch ihr Tablet zur Seite. Eher beiläufig – aber vielleicht doch nicht ganz zufällig – fand sie einen großen landesüblichen Geldschein vom vorherigen Kunden. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit verschwand dieses „Papier“. Nun konnte sie sich ungestört uns widmen.
Wir schilderten unser Anliegen des Registrierungswunsches unseres Vereins in Uganda und übergaben auch sogleich unsere gut vorbereiteten Dokumente. Mit verblüffender Missachtung dieses Anliegens wandte sich die Dame zu uns und erklärte unter anderem, dass wir doch unbedingt ein Konto eröffnen müssten. Auf dieses Konto hätten wir aber als Ausländer nur eingeschränkt Zugriff, und es müssten mindestens drei ugandische Staatsangehörige Mitbesitzer des Kontos sein. Wir versuchten zu erläutern, dass diese Voraussetzung nirgendwo in den Hinweisen, Richtlinien und Gesetzen zu finden sei, und dass wir das für unsere Vereinsarbeit auch gar nicht benötigten. Dies schien nicht verhandelbar und so baten wir sie, um nicht noch mehr Überraschungen ausgesetzt zu sein, eine Liste der Dinge zu machen, die nirgendwo erwähnt sind, die aber für die Registrierung notwendig waren. Dies tat sie auch, und so verließen wir unverrichteter Dinge das Gebäude.
Sichtlich irritiert standen wir auf dem Parkplatz und berieten, wie es weitergehen sollte. Wir beschlossen, beim nächsthöheren Vorgesetzten (RCC) in der Verwaltungshierarchie vorstellig zu werden und unser Anliegen vorzutragen. Aufgrund der sehr guten Kenntnisse und Beziehungen, die Peter besitzt, fuhren wir zu dem Verwaltungsgebäude des RCC. Obwohl er gerade Sprechzeiten hatte, war er nicht anwesend. So warteten wir auf Anraten seiner Vorzimmerdame, da es sich ja nur um ein paar Minuten handeln konnte, bis er wieder da sei, wie sie sagte.
Nach ca. einer Stunde waren die paar Minuten auch verstrichen und ein höflicher Mann begrüßte uns in seinem Büro. Wir schilderten wiederholt unser Anliegen, überreichten den Stapel der ausgefüllten Formulare und schilderten unser Erlebnis. Sogleich nahm er telefonisch Kontakt mit der Dame (CDO) auf und ließ sich ihren Standpunkt dazu erklären. Nach diesem Telefonat sah er sich nun etwas genauer unsere ausgefüllten Formulare an und war sichtbar überrascht, dass wir jede Frage nicht nur beantworten, sondern sogar mit den entsprechenden Verwaltungsvorschriften und Gesetzen belegen konnten. Nach einigem Hin- und Her äußerte er sich zum Konto zunächst in der Weise, dass es für den Vorgang der Registrierung zunächst nicht so wichtig sei, ein Konto zu eröffnen. Darüber könne man später noch einmal reden. Das Gespräch verlief recht positiv.
Tief im Inneren keimte ein kleiner Spross der Hoffnung in uns auf, dass es doch nun ohne Probleme vorangehen würde. Dieser wurde aber im nächsten Augenblick wieder zertreten, als der RCC uns aufforderte, doch mal auf einer DIN-A4-Seite genau zu beschreiben, was wir eigentlich wollten. Wir verkniffen uns, noch einmal darauf hinzuweisen, dass aus den seitenlangen Formularen und Anträgen genau das hervorgeht. Das Ausfüllen dieser oft schwer nachzuvollziehenden Fragen hat uns Stunden in Deutschland, ja fast tagelang beschäftigt. Wir entschlossen uns dann, am Abend dieses Schreiben zu verfassen und es ihm am nächsten Tag zu übergeben. Danach versprach er uns, sich in den nächsten Tagen bei uns zu melden. Wir warteten vergeblich. Ein Nachfragen unsererseits wurde, wenn überhaupt, mit den Worten „Es läuft schon“ erwidert. Das ist der Stand bis heute.
Trainees
Beim Besuch von Charles Werkstatt konnten wir neben den sechs Auszubildenden des Jahres 2025 auch die vier neuen Azubis für 2026 begrüßen. Wir übergaben diesen ihre persönlichen Arbeitssachen, die dankbar angenommen wurden. Nach einer kleinen Ansprache wünschten wir ihnen viel Erfolg für das nächste Lehrjahr.
Wir übergaben auch, sichtbar für alle, die Ausbildungsgratifikationen (Steck-Maul- und Ringschlüsselsätze u.v.a.) für das Jahr 2025 an Charles und Patrik, die, wie vereinbart, nach bestandener Prüfung an die Azubis verteilt werden sollten. An diesem Tag wurde auch der Prüfungstermin für die Azubis 2025 genannt, der erfreulicherweise noch in dem Zeitraum unserer Anwesenheit liegen sollte. Leider wurde daraus nichts. Der Termin wurde sehr kurzfristig (am Tag der angesetzten Prüfung) auf unbestimmte Zeit, evtl. zu Beginn des Jahres 2026, verschoben. Dieses veranlasste uns, das ortsansässige Institut, das die Prüfung abnimmt, aufzusuchen und unseren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen.
Wir machten sehr deutlich, dass das ein unakzeptierbares Verhalten ist und das Ausbildungsvorhaben unseres Vereins sehr gefährdet. Insbesondere die zusätzliche Fortführung der finanziellen Unterstützung bis zum Zeitpunkt der verspäteten Prüfung führt zu einer unkalkulierbaren und in Zukunft nicht mehr aufzubringenden Mehrbelastung. Man versicherte uns, dass dieses eine Ausnahme sei, welche mit einem Neuaufbau und Zentralisierung des Berufsbildungsressorts in Kampala zu tun hat. Jetzt müssen wir uns für die Zukunft überlegen, wie wir solchen Herausforderungen begegnen können. Zurzeit bleibt nur die Kürzung der Anzahl der Auszubildenden für das darauffolgende Jahr.
Baustelle
In den nächsten Tagen mussten wir uns aber nun intensiv dem Baugeschehen widmen. Dazu waren wir täglich mehrmals auf der Baustelle. Zwischendurch mussten wir immer wieder Material und Werkzeuge heranschaffen, obwohl unser Bauingenieur und seine Mitarbeiter wirklich vorbildliche Arbeit leisteten. Aber es gibt halt ein paar Dinge, die die Deutschen am Bau anders machen… und bitte schön, wenn sie das so wollen, dann müssen sie sich auch darum kümmern. Hierzu gehört auch ein Mindestmaß an Sicherheitsvorkehrungen, z.B. das Bereitstellen einer stabilen Aluleiter anstelle eines selbstgebauten Gestells aus Bambus.
Für unseren gemieteten Lagerraum bauten wir auch ein stabiles Regal, damit wir nun auch alles griffbereit und übersichtlich sortieren konnten und wir uns somit einen Überblick über die vorhandenen Werkzeuge verschaffen konnten. Leider vergessen wir vieles während unserer Abwesenheit. Vor jeder nächsten Reise stellt sich daher regelmäßig die Frage, ob wir etwas schon dort haben oder es noch mitbringen müssen.
Am letzten Tag konnten wir mit Freude feststellen, dass der erste Bauabschnitt, wie für diese Reise geplant, fertiggestellt war und nur noch die Wässerung des Estrichs für die nächsten Tage sichergestellt werden musste. Es herrschte Trockenzeit unter der brennenden Sonne bei Temperaturen bis 40°C.
Kilama, unser Bauleiter, versprach uns, sich auch darum zu kümmern, sodass wir beruhigt die Rückreise antreten konnten.

So kam es, dass wir nachts in Kairo ankamen und im Wartebereich festsaßen, da wir aufgrund einer Verspätung unseren Anschlussflug verpasst hatten. Die daraufhin erfolgte Umbuchung vor Ort nahm viele ungemütliche Stunden in einem wenig einladenden Übergangsbereich in Anspruch. Mitten in der Nacht konnten wir unsere mehrfach umgebuchte Reise schließlich über Addis Abeba nach Entebbe fortsetzen und erreichten unser Ziel am Mittag.
Leider blieb die Hälfte unseres aufgegebenen Gepäcks auf der Strecke. Nach fast 24 Stunden Reisezeit mussten wir uns völlig erschöpft auch noch der afrikanischen Art der Lost-and-Found-Prozedur unterziehen. Dabei stellte sich heraus, dass die Fluggesellschaft nicht in der Lage oder nicht gewillt war, uns das vermisste Gepäck zu unserem endgültigen Aufenthaltsort nachzusenden. Daher mussten wir selbst eine Lösung finden.
Die Katastrophe nahm ihren Lauf, als wir im strömenden Regen unser Quartier in Gulu. beziehen wollten. Obwohl eine dreifache Buchungsbestätigung vorlag, wurde uns bei unserer Ankunft mitgeteilt, dass die Unterkunft ausgebucht sei. Nach weiteren Stunden der Diskussion, in denen wir auf eine Lösung seitens der Unterkunft bestanden, konnten wir schließlich ein Ausweichquartier beziehen.
Am nächsten Tag besuchten wir als Erstes die Baustelle und konnten erfreut feststellen, dass der Lagerraum, wie verabredet, bis zum ersten Ringanker aufgebaut worden war. Kilama, unser zuverlässiger Bauingenieur, hatte während unserer Abwesenheit das Gebäude wie gewünscht weitergebaut.


Eine weitere Ernüchterung folgte am nächsten Tag beim Besuch des RCC, wo wir uns nach dem Stand der Registrierung unseres Vereins erkundigen wollten. Zwischenzeitlich war nichts vorangekommen, und die wenig qualifizierten Aussagen des zuständigen Beamten waren teilweise so widersprüchlich, dass ein weiteres Vorgehen auf diesem Weg nicht erfolgversprechend erschien. Eine verlässliche Unterstützung für unser Vorhaben konnten wir von dieser Stelle nicht erwarten. Im Gegenteil: Die widersprüchlichen Informationen erschwerten die Klärung des Sachverhalts zusätzlich und trugen aus unserer Sicht eher zu weiterer Verwirrung als zu einer Lösung bei.
Unser zentrales Anliegen war die Schaffung rechtlicher Sicherheit für unseren Verein. Eine rechtlich anerkannte Registrierung war die unabdingbare Voraussetzung für die Fortführung unserer Vereinstätigkeit in Uganda. Ohne diesen rechtlichen Status können wir unser Projekt vor Ort nicht dauerhaft und rechtskonform weiterführen.
In langen internen Krisensitzungen und zahlreichen Diskussionen kamen wir schließlich zu dem Schluss, dass nur noch eine Registrierung als NGO erfolgversprechend war. Um diese Möglichkeit näher zu prüfen, führten wir mehrere Gespräche mit Vertretern bereits vor Ort tätiger NGOs. Diese bestätigten unsere Einschätzung im Großen und Ganzen und bestärkten uns darin, diesen Weg weiterzuverfolgen.
Die während unseres Aufenthalts gemachten Erfahrungen zeigten deutlich, dass das im April 2025 geführte Beratungsgespräch mit einem dort ansässigen Anwalt auf unzutreffenden Auskünften beruhte und uns dadurch auf einen Irrweg geführt hatte. Infolgedessen haben wir im Registrierungsverfahren nahezu ein ganzes Jahr verloren.
Ungeachtet der vielen negativen Erlebnisse konnten wir dennoch auch einiges Positives erreichen. So gelang es uns, ein für die Bauarbeiten dringend benötigtes Rollgerüst mit den vor Ort verfügbaren Materialien zu bauen. Nach seiner Fertigstellung wurde es sofort in die Bauarbeiten integriert und bis zum Abschluss der zweiten Bauphase intensiv genutzt. Ein zweites benötigtes Rollgerüst soll gegebenenfalls beim nächsten Besuch gebaut werden.





Zum Abschluss unserer Reise konnte der zweite Bauabschnitt fertiggestellt werden. Es waren nur noch kleinere Restarbeiten zu erledigen, die unser Bauingenieur Kilama eigenständig und zuverlässig ausführen konnte.
Erfreulicherweise haben alle acht Auszubildenden ihre verschobene Prüfung im März 2026 erfolgreich bestanden. Zwei der Jugendlichen, die sich besonders bewährt haben, wurden sogar vom Werkstattleiter Charles übernommen. Die anderen sechs haben inzwischen ebenfalls eine Arbeitsstelle gefunden.
Anfang 2026 konnten bereits vier neue Auszubildende ihre Ausbildung beginnen. Das ist ein großartiger Erfolg. Die Jungen sind mit viel Engagement dabei und freuen sich sehr über diese Chance fürs Leben, die ihnen durch die Unterstützung des Vereins ermöglicht wird.

Auf dem Rückweg gelang es uns schließlich auch in Kampala, ein Treffen mit dem Leiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Uganda, Mr. James Macbeth-Forbes, zu realisieren. Er gab uns wertvolle Hinweise und Einblicke in die aktuelle Situation von NGOs in Uganda. Darüber hinaus erhielten wir wichtige Informationen zum Registrierungsprozess. Durch eine kurzfristig einberufene Videokonferenz konnten wir bereits den ersten Kontakt zu einer anwaltlichen Vertretung herstellen und erste Fragen klären.


Dann war es jedoch Zeit zum Aufbruch, da wir uns umgehend auf den Weg zum Flughafen in Entebbe machen mussten. Die Rückreise verlief – im Gegensatz zur Hinreise – reibungslos, sodass wir planmäßig am nächsten Tag mit unserem vollständigen Gepäck in Berlin landeten.






























