Über Uganda
Länderinfo
Die Republik Uganda (Hauptstadt: Kampala) ist ein ostafrikanisches Land, am Äquator gelegen, mit gemäßigtem tropischem Klima. Das Land stößt im Norden an Südsudan. Im Osten teilt es die Grenze mit Kenia. Südlich schließen sich Tanzania und Ruanda an und im Westen liegt die Demokratische Republik Kongo.
Uganda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Aufgrund langjähriger Konflikte ist der Norden weniger entwickelt als der Süden Ugandas.
Uganda ist ein Hauptaufnahmeland von Flüchtlingen. Vor allem aus dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo kommen Flüchtlingsströme ins Land. Rund 1,8 Millionen Menschen suchten in Uganda Schutz. (Stand: Ende Oktober 2024)
Das Bevölkerungswachstum beträgt 2, 8 % pro Jahr, dadurch ist Uganda ein sehr junges Land. Die mit Abstand größte Gruppe der 49,92 Millionen Einwohner bilden Kinder bis 15 Jahre (44,4 %), somit ergibt sich ein ein Durchschnittsalter von 16,3 Jahren. Für Bildung wird 2,55 % des Bruttoinlandsproduktes (Stand 2023) ausgegeben.
Historisches
Ab dem 13./14 Jahrhundert entwickelten sich auf dem heutigen Gebiet Ugandas mehrere Königreiche. Buganda am Nordwestufer des Victoriasees bekräftigte seine Vormachtstellung ab dem 17. Jahrhundert und wurde das bedeutendste der ugandischen Königreiche.
Ab 1894 wurde Uganda zum britischen Protektorat erklärt. Das Land war bis 1962 britische Kolonie. Winston Churchill bezeichnete Uganda als „Perle Afrikas“.
1963 erfolgte die erste freie Wahl und Uganda wurde als „Demokratische Republik Uganda“ unabhängig. 1967 wurden die Königreiche anulliert; das Land wurde nunmehr in Provinzen eingeteilt.
In den Jahren 1966 bis 1986 herrschten Milton Obote und Idi Amin mit extrem autoritärem Regierungsstil. Ihre Macht wurde vom Militär gestützt. In dieser Zeit kam das Land nicht zur Ruhe. Es wurde durch Gewalttätigkeiten, Menschenrechtsverletzungen, bürgerkriegsähnlichen Unruhen und wirtschaftlichen Niedergang erschüttert.
Seit 1986 ist Präsident Yoweri Kaguta Museveni ununterbrochen Staatsoberhaupt, zuletzt wurde er 2021 im Amt bestätigt.
20 Jahre Lord’s Resistance Army (LRA)
Uganda erlebte in den Jahren 1987 bis 2006 einen brutalen Bürgerkrieg unglaublichen Ausmaßes. In diesen Jahren hatte sich unter der Führung von Joseph Kony die Rebellenarmee Lord’s Restance Army (Widerstandsarmee des Herrn) formiert, die sich als Widerstandsbewegung verstand. Ihr Ziel war es, Museveni zu stürzen, um im Norden Ugandas auf der Basis der biblischen ‚Zehn Gebote‘, einen Gottesstaat zu errichten. Zehntausende Kinder und Jugendliche wurden verschleppt, zu Kindersoldaten gemacht, Menschen gefoltert, Dörfer verbrannt, Mädchen und Frauen vergewaltigt und versklavt. Konys LRA verübte schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
1996 reagierte die ugandische Regierung auf diese Verbrechen und forderte 1,8 Millionen Menschen auf, in Flüchtlingslagern, in sogenannten Camps for Internally Displaced Persons, Schutz zu suchen. Dort waren sie allerdings von humanitärer Hilfe abhängig. In diesen Lagern hungerten die Flüchtlinge. Sie waren furchtbaren hygienischen, medizinischen Bedíngungen ausgeliefert. Auch dort lebten sie ein menschenunwürdiges Leben.
2005 erließ der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag auf Antrag der ugandischen Regierung Haftbefehle gegen Joseph Kony und weiterer Anführer der LRA. Kony ist bis heute auf freiem Fuß.
Die Autorin Lioba Lenhart skizziert in ihrem Artikel ‚Nord-Uganda‘ 20 Jahre LRA-Terror in Uganda und seine Auswirkungen, Probleme und Defizite, die bis heute noch zu spüren sind.
Sie zeigt unter anderem auf, dass der eklatante Mangel an Arbeitsmöglichkeiten, der sich im Norden Ugandas infolge des Krieges in potenzierter Form zeigt, ein großes Problem ist. Sogar die wenigen Hochschulabsolventen aus vermögenden Familien haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Diese Perspektivlosigkeit betrifft insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene in Uganda, da mehr als 50% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre sind.
Es gibt kaum eine Familie in Norduganda, die nicht unter dem Terror der LRA gelitten hat. Erst im Oktober 2024 wurde nach einem fünfzehnjährigen Gerichtsprozess in Gulu der ehemalige LRA-Kommandeur Thomas Kwoyelo schuldig gesprochen: wegen Mordes, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er war bislang der erste und einzige LRA-Kommandeur, der innerhalb des Landes vor ein Gericht gestellt werden konnte. Lesen Sie dazu den Artikel "Besser spät als nie": Urteil Jahrzehnte nach LRA-Terror in Uganda“ von Helena Kreiensiek.
Bildung, Gesellschaftliche Struktur und Bevölkerungswachstum in Uganda
Uganda ist ein sehr kinderreiches Land. Es zählt zu den Ländern mit der jüngsten Bevölkerung weltweit. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Die Einwohnerzahl des Landes hat sich zwischen 1998 und 2022 von 22,5 auf 45,9 Millionen mehr als verdoppelt. Rund eine Million junge Menschen sind jährlich auf der Suche nach Arbeit.
Bildung wird für alle Bürger in der Verfassung garantiert, aber das hohe Bevölkerungswachstum von über drei Prozent (2016: 3,3 Prozent) stellt im Bildungsbereich eine hohe Herausforderung dar. Jedes Jahr sollen eine Million Kinder mehr in die Schulen gehen.
Seit 1997 besteht in Uganda eine allgemeine Schulpflicht für Kinder unter 15 Jahren. Gesetzlich besteht für alle Kinder ein Anspruch auf sieben Schuljahre. Die Grundschul- und Sekundarschulausbildung ist offiziell ein kostenloses Angebot. Guckt man genau hin, dann sieht es mit der Schulbildung für ugandische Kinder anders aus. Ein sehr geringer Anteil der Schüler (ca. 15 %) besucht die weiterführenden Schulen. Durch hohe Kosten ist vielen Kindern der Schulbesuch verwehrt. Sie haben häufig auch keine Zeit, in die Schule zu gehen. Oft müssen sie schon in jungen Jahren schwere Arbeit verrichten, denn ihre Hilfe in der Landwirtschaft, im Haushalt und bei der Betreuung der Geschwisterkinder ist wichtig. Sterben die Eltern früh, übernimmt oftmals das älteste Geschwisterkind die Verantwortung über die Familie. Familiäre Strukturen sind vor allem in der ländlichen Region überlebenswichtig. Alte und Kranke auf einen starken familiären Rückhalt angewiesen.

Schulbildung
Der Unterricht an staatlichen Schulen reicht nicht aus. Ca. 60% der Schulen Ugandas sind Privatschulen, die oft als Boarding Schools (Internate) konzipiert sind. Zur Finanzierung der Lehrer und der Ausstattung verlangen diese aber Schulgeld. Weil das Schulgeld und die mit dem Schulbesuch verbundenen Kosten für viele Familien eine sehr hohe Belastung darstellen, ist oftmals bereits ein regelmäßiger Besuch der Primary School vielen Kindern verwehrt. Erschwert wird der Schulbesuch durch zusätzliche Kosten für Schuluniform (Pflicht), Schulmaterial und Essen, was kinderreiche Familien nicht aufbringen können. Die Rate der Analphabeten in Uganda (21 %, 2021) ist sehr hoch.
Der Unterricht und die Prüfungen werden auf Englisch abgehalten, da das Schulsystem nach britischem Vorbild konzipiert ist und die Amtssprache Englisch ist. Das Schuljahr ist in Trimester (Terms) aufgeteilt. (1.Term Februar bis Mai / 2.Term Mai bis August / 3.Term September bis November). Schulgeld wird jeweils zu Beginn eines Terms erhoben.
Primary School
Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren besuchen einen Kindergarten, der Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt. Darauf folgt die Primary School (Grundschule). Diese dauert sieben Jahre und soll von staatswegen eine für das Alltagsleben ausreichende Bildung ermöglichen, da viele Kinder keine weiterführende Schule besuchen. Die Kinder verlassen die Primary School mit dem PLE (primary leaving examination). Die meisten Kinder und Jugendlichen kommen über einen Grundschulbesuch nicht hinaus
Secondary School
Im Anschluss an die Primary School können die Schülerinnen und Schüler die Secondary School besuchen. Diese dauert vier Jahre und ist ähnlich wie in Deutschland in der Regel Voraussetzung, um einen Ausbildungsberuf wie z.B. Mechaniker zu erlernen. Auch hier ist es so, je höher die Gebühren, umso weniger Schüler.
Advanced- oder Senior Secondary School
Die Secondary School wird mit dem O-Level Abschluss (ordinary level) abgeschlossen. Dieser Schulabschluss ermöglicht den Besuch der weiterführenden Advanced-oder Senior Secondary School / A-Level) für weitere zwei Jahre. Als Abschlusszeugnis erhalten die Schülerinnen und Schüler das UACE (Uganda Advanced Certificate of Education), das zum Besuch einer Universität berechtigt.
Leider ist der Besuch der weiterführenden Schulen vor allem abhängig vom Einkommen der Eltern und nicht von den schulischen Leistungen der Kinder, da das höhere Schulgeld für viele Familien nicht aufzubringen ist.
Quellen:
Auswärtiges Amt Uganda: Politisches Porträt 2024
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Länderinformation Uganda
Der neue Kosmos Welt-Almanach & Atlas 2025, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, S. 435 - 436
Konrad Adenauer Stiftung, Uganda Die Perle Afrikas. Ein Länderüberblick, Stand: September 2015
Kreiensiek, Helena, "Besser spät als nie": Urteil Jahrzehnte nach LRA-Terror in Uganda“, 2024, epd
Lenhart, Lioba, Nord-Uganda, 2021, bpb,
Wikipedia : Uganda





