2025

Erste Fahrt im Frühjahr

 

Im März, pünktlich zum Frühlingsanfang, machten sich wieder drei Vereinsmitglieder auf die Reise nach Uganda. Aufgrund von Gepäckbeschränkungen, bei in der EU ansässigen Fluggesellschaften, die uns die Mitnahme von bestimmten Werkzeugen nicht erlaubten, musste diesmal mit Turkish Airlines eine andere Reiseroute gewählt werden. Zum Glück kam das Gepäck, wie auch die drei Reisenden, vollständig und unbeschädigt an.

 

Die Auszubildenden, die Ende 2024 ihre Abschlussprüfung ablegten, haben bisher noch keine Zeugnisse erhalten, was auf erhebliche organisatorische Schwierigkeiten des staatlichen Prüfungsamtes zurückzuführen ist. Dennoch konnten alle bereits ihren beruflichen Einstieg als Automechaniker beginnen.

 

Die neuen Auszubildenden des Jahrgangs 2025, die wir auf unserer letzten Reise kennen lernen konnten, sind nun vollständig in der Ausbildung integriert. Es macht ihnen sichtbar Freude, die Herausforderungen sowohl theoretisch als auch praktisch zu meistern. In persönlichen Gesprächen erhielten wir wertvolle Einblicke in ihren Alltag, die es uns ermöglichen, am täglichen Ausbildungsgeschehen teilzuhaben.

Azubis 2025
Praxisnahe theoretische Ausbildung

So erfuhren wir, dass ein routinemäßiger Ablaufplan eingeführt wurde. Dieser besteht aus morgendlichem Briefing, Aufgabenverteilung, festen Zeiten für theoretische Unterweisungen und Mittagessen.  Die Ausbilder Charles und Patrick sind dabei sehr engagiert.

 

Die Azubis zeigen bei allem Eigeninitiative und setzen sich aktiv für eine gute Kommunikation ein. Sie bestimmten einen Sprecher aus ihrer Gruppe. Das ist großartig!

 

Wir denken darüber nach, künftig einen festen Ansprechpartner für die Auszubildenden einzurichten, da er den Azubis außerhalb des laufenden Ausbildungsbetriebs viel Unterstützung bieten könnte; insbesondere bei Fragen, die über die eigentliche Ausbildung hinausgehen. Dadurch würde sich ihre Ausbildungs- und Lebenssituation deutlich verbessern. 

 

Zur Vorbereitung unseres Bauprojektes für die Unterbringung obdachloser Auszubildender starteten wir den Bau der Latrinen, den wir während unseres Aufenthalts erfolgreich beenden konnten. Denn auch in Uganda dürfen wir ohne „Dixie-Klo“ keine Bauarbeiten starten.

 

Zum Abschluss der Arbeiten brachten wir aus hygienischen Gründen eine Epoxidharzbeschichtung auf den Boden auf und teilweise auch an der Wand an, um die die spätere Reinhaltung deutlich zu erleichtern.

Latrine ist fertig
Beschichtung

Mit dem Bauingenieur Kilama, den wir aus früherer Zusammenarbeit kennen, klärten wir bereits die ersten Schritte für den zukünftigen Bau eines Lagergebäudes auf dem gepachteten Grundstück. Denn ohne Lagergebäude hätten wir keine Chance, den Diebstahl der Baumaterialien für das Betreuerhaus und auch für das Traineehaus zu unterbinden.

 

Dank der Unterstützung unseres Mitgliedes Rudi, seines Zeichens Architekt, konnten wir die Pläne für die Lagerhalle vorlegen. (Nochmals danke, Rudi!). Zudem legten wir den genauen Standort des Lagergebäudes durch Einmessen und Fixieren der Eckpunkte im Gelände fest, sodass mit dem ersten Bauabschnitt (Fundament) begonnen werden kann, wenn die Finanzierung steht.

 

Für gegenwärtige und zukünftige Maßnahmen und zur Klärung von komplizierten juristischen Fragen fand auch ein Beratungsgespräch mit einem dort ansässigen Anwalt statt. 

Bei der Beratung
Beratungspause

Im Zusammenhang mit der Suche nach logistischer Unterstützung und Fördermitteln erhielten bzw. erhalten wir von allen Seiten immer viel Zuspruch für unser Vorhaben.

 

Unsere Bemühungen, über das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit - und den von diesem eingeschalteten Gesellschaften und Stiftungen – Fördermittel in Deutschland oder durch die deutsche Botschaft in Kampala zu erhalten, führten indes nicht zum Erfolg. Denn die Unterstützung der Baumaßnahmen für die Unterbringung von obdachlosen Jugendlichen während ihrer Ausbildung kann wegen Reglementierungen in den Förderprogrammen, die wir nicht erfüllen (können), nicht erfolgen.

 

Insoweit zeigt sich immer wieder eine eklatante Diskrepanz zwischen dem durch irgendwelche Förderprogramme öffentlich verbreiteten Wohlmeinungsempfinden und der Realität. Deshalb sind jetzt Spenden mehr denn je erforderlich, um vorwärts zu kommen.

 

Nach der Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stehen uns jetzt aber Mitarbeiter der GIZ in Kampala und Gulu beratend zur Seite. Denn auch wir müssen uns im Hinblick auf unsere Pläne in Uganda als gemeinnützig registrieren lassen…

 

Derzeit bereiten wir die nächste Reise vor, die im November 2025 stattfinden soll. Einige Koffer sind schon jetzt gepackt.

Zweite Fahrt im November/Dezember 

 

Dieses Mal waren bei uns vieren (Christian, Matthias, Markus und Ulla) nicht nur unsere Koffer prall gefüllt, sondern auch unsere Terminkalender. 

Um alle geplanten Aufgaben erledigen zu können, war es diesmal zwingend notwendig, mindestens drei Wochen für die Reise nach Uganda einzuplanen. Leider war es zweien von uns aus Mangel an Urlaubstagen nicht möglich, die volle Zeit zu bleiben. Sie mussten bereits nach zwei Wochen abreisen. 

 

Zur Reduzierung der Reisekosten waren wir gezwungen, eine andere Unterkunft für die Zeit zu suchen. In unserem angestammten Hotel, in dem wir uns über 10 Jahre sehr wohlgefühlt hatten und gut versorgt wurden, sind die Kosten im Laufe der Zeit leider kontinuierlich auf ein Niveau gestiegen, das uns nicht mehr möglich machte, dort unterzukommen. Wir sahen uns daher nach einer Alternative um und beschlossen ein Appartement zu mieten. Dort versorgten wir uns selbst. Auch zukünftig möchten wir diese Möglichkeit in Betracht ziehen.

 

Leider dauerte die Anreise mit dem Bus von Kampala nach Gulu wieder deutlich länger, da ein Straßenabschnitt nicht passierbar war und wir einen Umweg fahren mussten. So betrug die Reisezeit nicht die gewohnten sieben, sondern neun Stunden. Nach der Ankunft am Abend ging es dann aber am nächsten Tag mit dem vollen Programm los.

 

Wir besuchten die Baustelle für den ersten Bauabschnitt unseres Lagerschuppens, um nach Überprüfung der neu vermessenen Eckpunkte und Klärung weiterer Details, wie abgesprochen, die weitere Baufreigabe unserem Bauingenieur (Mr. Kilama) zu geben. Mit Freude sahen wir, dass alle Baumaterialien bereitlagen und die Fundamentgräben auch schon ausgehoben waren. 

 

 

Beratungsrunde zum ersten Bauabschnitt
Es geht voran.
Fundamentgraben

 

Registrierung

 

Wir entschlossen uns, noch die Registrierung unseres Vereins auf den Verwaltungsweg zu bringen und fuhren dann am gleichen Tag noch zum CDO (Council district officer).

 

Dazu benötigten wir aber zwingend noch die schriftliche Stellungnahme des zuständigen LC1 (Landcouncelor Stufe1), in der er unsere lauteren Absichten bestätigt und aus seiner Sicht der Verwirklichung unseres satzungsmäßigen Vereinsziels nichts entgegensteht. Nach einem kurzen Telefonat stand er 30 Minuten später mit dem begehrten Schriftstück vor uns.

 

Wir entrichteten die erwartete, inoffizielle und selbstverständlich quittungslose Aufwandentschädigungsgebühr, und konnten anschließend mit diesem Dokument zur nächsthöheren Verwaltungsstelle (CDO) fahren.

 

Christian hatte sich schon Wochen vor der Abreise intensiv mit der geltenden Gesetzeslage und den vorgeschriebenen Verwaltungsschritten beschäftigt. Diese waren auch von offizieller Seite detailliert schriftlich festgehalten und nachlesbar. Sicherheitshalber hatten wir sämtliche Dokumente in Kopie dabei. Alle erforderlichen Formulare hatten wir bereits vollständig ausgefüllt. Wir glaubten daher, gut vorbereitet zu sein. Die Registrierung schien uns nur noch eine Formsache zu sein – dachten wir.

 

In andächtiger Manier betraten wir das Büro. Wir kamen zügig an die Reihe. Als wir vor dem Schreibtisch standen, räumte die Dame noch einige Unterlagen beiseite. Dabei schob sie auch ihr Tablet zur Seite. Eher beiläufig – aber vielleicht doch nicht ganz zufällig – fand sie einen großen landesüblichen Geldschein vom vorherigen Kunden. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit verschwand dieses „Papier“. Nun konnte sie sich ungestört uns widmen.

 

Wir schilderten unser Anliegen des Registrierungswunsches unseres Vereins in Uganda und übergaben auch sogleich unsere gut vorbereiteten Dokumente. Mit verblüffender Missachtung dieses Anliegens wandte sich die Dame zu uns und erklärte unter anderem, dass wir doch unbedingt ein Konto eröffnen müssten. Auf dieses Konto hätten wir aber als Ausländer nur eingeschränkt Zugriff, und es müssten mindestens drei ugandische Staatsangehörige Mitbesitzer des Kontos sein. Wir versuchten zu erläutern, dass diese Voraussetzung nirgendwo in den Hinweisen, Richtlinien und Gesetzen zu finden sei, und dass wir das für unsere Vereinsarbeit auch gar nicht benötigten. Dies schien nicht verhandelbar und so baten wir sie, um nicht noch mehr Überraschungen ausgesetzt zu sein, eine Liste der Dinge zu machen, die nirgendwo erwähnt sind, die aber für die Registrierung notwendig waren. Dies tat sie auch, und so verließen wir unverrichteter Dinge das Gebäude.

Sichtlich irritiert standen wir auf dem Parkplatz und berieten, wie es weitergehen sollte. Wir beschlossen, beim nächsthöheren Vorgesetzten (RCC) in der Verwaltungshierarchie vorstellig zu werden und unser Anliegen vorzutragen. Aufgrund der sehr guten Kenntnisse und Beziehungen, die Peter besitzt, fuhren wir zu dem Verwaltungsgebäude des RCC. Obwohl er gerade Sprechzeiten hatte, war er nicht anwesend. So warteten wir auf Anraten seiner Vorzimmerdame, da es sich ja nur um ein paar Minuten handeln konnte, bis er wieder da sei, wie sie sagte.

 

Nach ca. einer Stunde waren die paar Minuten auch verstrichen und ein höflicher Mann begrüßte uns in seinem Büro. Wir schilderten wiederholt unser Anliegen, überreichten den Stapel der ausgefüllten Formulare und schilderten unser Erlebnis. Sogleich nahm er telefonisch Kontakt mit der Dame (CDO) auf und ließ sich ihren Standpunkt dazu erklären. Nach diesem Telefonat sah er sich nun etwas genauer unsere ausgefüllten Formulare an und war sichtbar überrascht, dass wir jede Frage nicht nur beantworten, sondern sogar mit den entsprechenden Verwaltungsvorschriften und Gesetzen belegen konnten. Nach einigem Hin- und Her äußerte er sich zum Konto zunächst in der Weise, dass es für den Vorgang der Registrierung zunächst nicht so wichtig sei, ein Konto zu eröffnen. Darüber könne man später noch einmal reden. Das Gespräch verlief recht positiv. 

 

Tief im Inneren keimte ein kleiner Spross der Hoffnung in uns auf, dass es doch nun ohne Probleme vorangehen würde. Dieser wurde aber im nächsten Augenblick wieder zertreten, als der RCC uns aufforderte, doch mal auf einer DIN-A4-Seite genau zu beschreiben, was wir eigentlich wollten. Wir verkniffen uns, noch einmal darauf hinzuweisen, dass aus den seitenlangen Formularen und Anträgen genau das hervorgeht. Das Ausfüllen dieser oft schwer nachzuvollziehenden Fragen hat uns Stunden in Deutschland, ja fast tagelang beschäftigt. Wir entschlossen uns dann, am Abend dieses Schreiben zu verfassen und es ihm am nächsten Tag zu übergeben. Danach versprach er uns, sich in den nächsten Tagen bei uns zu melden. Wir warteten vergeblich. Ein Nachfragen unsererseits wurde, wenn überhaupt, mit den Worten „Es läuft schon“ erwidert. Das ist der Stand bis heute.

 

Trainees

 

Beim Besuch von Charles Werkstatt konnten wir neben den sechs Auszubildenden des Jahres 2025 auch die vier neuen Azubis für 2026 begrüßen. Wir übergaben diesen ihre persönlichen Arbeitssachen, die dankbar angenommen wurden. Nach einer kleinen Ansprache wünschten wir ihnen viel Erfolg für das nächste Lehrjahr. 

 

Wir übergaben auch, sichtbar für alle, die Ausbildungsgratifikationen (Steck-Maul- und Ringschlüsselsätze u.v.a.) für das Jahr 2025 an Charles und Patrik, die, wie vereinbart, nach bestandener Prüfung an die Azubis verteilt werden sollten. An diesem Tag wurde auch der Prüfungstermin für die Azubis 2025 genannt, der erfreulicherweise noch in dem Zeitraum unserer Anwesenheit liegen sollte. Leider wurde daraus nichts. Der Termin wurde sehr kurzfristig (am Tag der angesetzten Prüfung) auf unbestimmte Zeit, evtl. zu Beginn des Jahres 2026, verschoben. Dieses veranlasste uns, das ortsansässige Institut, das die Prüfung abnimmt, aufzusuchen und unseren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen.

Übergabe der persönlichen Arbeitskluft
Übergabe der Ausbildungsgratifikation
Übergabe der persönlichen Arbeitskluft

Wir machten sehr deutlich, dass das ein unakzeptierbares Verhalten ist und das Ausbildungsvorhaben unseres Vereins sehr gefährdet. Insbesondere die zusätzliche Fortführung der finanziellen Unterstützung bis zum Zeitpunkt der verspäteten Prüfung führt zu einer unkalkulierbaren und in Zukunft nicht mehr aufzubringenden Mehrbelastung. Man versicherte uns, dass dieses eine Ausnahme sei, welche mit einem Neuaufbau und Zentralisierung des Berufsbildungsressorts in Kampala zu tun hat. Jetzt müssen wir uns für die Zukunft überlegen, wie wir solchen Herausforderungen begegnen können. Zurzeit bleibt nur die Kürzung der Anzahl der Auszubildenden für das darauffolgende Jahr.

 

Baustelle

 

In den nächsten Tagen mussten wir uns aber nun intensiv dem Baugeschehen widmen. Dazu waren wir täglich mehrmals auf der Baustelle. Zwischendurch mussten wir immer wieder Material und Werkzeuge heranschaffen, obwohl unser Bauingenieur und seine Mitarbeiter wirklich vorbildliche Arbeit leisteten. Aber es gibt halt ein paar Dinge, die die Deutschen am Bau anders machen… und bitte schön, wenn sie das so wollen, dann müssen sie sich auch darum kümmern. Hierzu gehört auch ein Mindestmaß an Sicherheitsvorkehrungen, z.B. das Bereitstellen einer stabilen Aluleiter anstelle eines selbstgebauten Gestells aus Bambus.

 

Für unseren gemieteten Lagerraum bauten wir auch ein stabiles Regal, damit wir nun auch alles griffbereit und übersichtlich sortieren konnten und wir uns somit einen Überblick über die vorhandenen Werkzeuge verschaffen konnten. Leider vergessen wir vieles während unserer Abwesenheit. Vor jeder nächsten Reise stellt sich daher regelmäßig die Frage, ob wir etwas schon dort haben oder es noch mitbringen müssen.

Regalbau
Regalbau
Regalbau

Am letzten Tag konnten wir mit Freude feststellen, dass der erste Bauabschnitt, wie für diese Reise geplant, fertiggestellt war und nur noch die Wässerung des Estrichs für die nächsten Tage sichergestellt werden musste. Es herrschte Trockenzeit unter der brennenden Sonne bei Temperaturen bis 40°C. 

Kilama, unser Bauleiter, versprach uns, sich auch darum zu kümmern, sodass wir beruhigt die Rückreise antreten konnten.

Der erste Bauabschnitt ist fertig.
Der erste Bauabschnutt ist fertig.